TVT

Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V.

Empfehlungen zur Haltung von Hauskatzen
 
 

Erarbeitet vom Arbeitskreis 2 (Kleintiere)

I Anwendungsbereich
 
 

Diese Empfehlungen gelten für jegliches Halten von Hauskatzen (Felis silvestris catus), ausgenommen

1. während des Transportes für eine Dauer von maximal 8 Stunden,

2. während einer tierärztlichen Behandlung, soweit nach dem Urteil des Tierarztes im Einzelfall andere Haltungsanforderungen notwendig sind,

3. während eines Tierversuches, soweit für den verfolgten Zweck andere Haltungsanforderungen unerläßlich sind. In diesem Fall verweisen wir auf das Merkblatt des Arbeitskreises 4 über die tierschutzgerechte Haltung von Versuchstieren (Hund und Katze),

4. für die Dauer einer Ausstellung.

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II Allgemeine Anforderungen
 
 

(1) Wer eine Katze hält, betreut oder zu betreuen hat (Bezugsperson), soll dieser mehrmals täglich die Möglichkeit zu Sozialkontakten mit ihm oder anderen Bezugspersonen geben.

(2) Der Halter oder Betreuer hat bei männlichen und weiblichen Katzen Vorsorge zu treffen,

1. daß eine unkontrollierte Fortpflanzung der Katze verhindert wird,

2. daß eine ordnungsgemäße Unterbringung und Versorgung der Katzenwelpen gewährleistet ist.

(3) Welpen dürfen erst im Alter von über acht Wochen abgesetzt werden, es sei denn, das Absetzen ist zum Schutz des Muttertieres oder des Welpen vor Schmerzen, Leiden oder Schäden erforderlich. Wenn eine mutterlose Aufzucht erforderlich ist, sind die Welpen bis zu einem Alter von acht Wochen nicht ohne zwingenden Grund von den Wurfgeschwistern zu trennen. Jungtiere sollten nicht einzeln gehalten werden.

(4) Wer eine Katze hält, betreut oder zu betreuen hat, muß für eine regelmäßige, ausreichende und artgerechte Fütterung und Tränkung, sowie für einen einwandfreien gesundheitlichen Zustand sorgen. Die Futter-, Tränkgefäße und Toiletten müssen aus gesundheitsunschädlichem und leicht zu reinigendem Material bestehen und täglich gereinigt werden. Die Schlafplätze und der Aufenthaltsbereich sind sauber und trocken zu halten; sie dürfen aufgrund ihrer Art und Beschaffenheit keine Gesundheitsschäden verursachen. Darüber hinaus gilt für Tierheime, Tierkliniken, Pensionen u.ä. Einrichtungen, daß diese Räumlichkeiten leicht zu reinigen und zu desinfizieren sein müssen.

(5) Die Haltung von Katzen in Käfigen ist verboten. Vorübergehende Ausnahmen sind möglich:

1. Bei medizinischer Indikation, z.B. in Quarantäne- und Krankenstationen von Tierheimen, Tierkliniken, Pensionen u.ä. Einrichtungen,

2. Bei Versuchskatzen, wenn diese Haltung für den Versuch zwingend erforderlich ist für die Zeitdauer des Versuchs. In diesen Fällen muß die Käfiggrundfläche mindestens 1 m², bei Katzen mit Welpen mindestens 2 m², bei einer Höhe von 1 m betragen. Der Käfig muß in verschiedene Ebenen (z.B. Laufbretter) unterteilt sein und Kratz- und Beschäftigungsmöglichkeiten enthalten. An drei Seiten muß ein Sichtschutz angebracht werden. Pro Käfig darf nur ein adultes Tier gehalten werden. Einzeln gehaltene Katzen bedürfen besonderer Zuwendung des Tierpflegers.

(6) In einer Gruppe dürfen nur solche Katzen gehalten werden, die gesund sind und friedlich und angstfrei zusammenleben können. Sobald Anzeichen von Verhaltensstörungen bei einem oder mehreren Tieren auftreten, sind diese aus der Gruppe zu entfernen.

(7) In Tierheimen, Tierkliniken, Pensionen u.ä. Einrichtungen muß die Möglichkeit der Einzelhaltung gegeben sein.

(8) Bei der übergabe an Tierheime, Tierkliniken, Pensionen u.ä. Einrichtungen muß der Besitzer, soweit möglich, über Krankheiten, deren Verdacht, Untugenden und Besonderheiten seiner Katze befragt werden.

(9) Katzen mit Freilauf sowie Katzen in Tierheimen, Tierkliniken, Pensionen u.ä. Einrichtungen sollten gegen die häufigsten Infektionskrankheiten wie Katzenseuche, Katzenschnupfen und Tollwut geimpft und einmal jährlich entwurmt werden. Nach Maßgabe des Tierarztes können zusätzliche Impfungen erforderlich sein.

(10) Vorübergehend im Sinne dieser Empfehlungen bedeutet, wenn nichts anderes angegeben ist, maximal 3 Monate.

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III Haltung in geschlossenen Räumen ohne oder mit zeitweiligem Auslauf
 
 

(1) Die Raumgröße muß für 1-2 Katzen mindestens 15 m² betragen, in Tierheimen, Tierkliniken, Pensionen u.ä. Einrichtungen sind vorübergehend auch 4 m² ausreichend. Für jede weitere Katze sind 2 m² zusätzlich erforderlich. Die Raumhöhe muß mindestens 2 m betragen.

(2) Säugende Mutterkatzen mit ihrem Wurf dürfen nur mit erwiesenermaßen befreundeten Tieren im selben Raum gehalten werden.

(3) Raumklima und Lichtverhältnisse müssen den Anforderungen für Wohnräume entsprechen und einen Tag-Nacht-Rhythmus aufweisen. (Temperatur: 16-24°C, Lichtintensität: 350-450 Lux, rel. Luftfeuchte: 55+-10 %, zugfrei).

(4) Der Raum muß strukturiert (möbliert), in verschiedene Ebenen (z.B. Wandbretter in unterschiedlicher Höhe) unterteilt sein, sowie Rückzugs- und Versteckmöglichkeiten in ausreichender Anzahl aufweisen (mindestens ein bis zwei mehr als Tiere im Raum). Artgerechtes Spielzeug und die Möglichkeit zum Krallenwetzen müssen ebenfalls in ausreichender Anzahl vorhanden sein. Schlafplätze (mindestens ein bis zwei mehr als Tiere im Raum), die es den Tieren ermöglichen, bequem zu liegen und sich von den anderen zurückzuziehen, und Katzentoiletten (mind. 1 pro Tier) müssen vorhanden sein. Schlafplatz, Freßplatz und Katzentoilette dürfen nicht unmittelbar nebeneinander aufgestellt werden.

(5) Die Tiere müssen die Möglichkeit haben, ihre Umwelt durch das Fenster beobachten zu können. Die Fenster müssen zu öffnen und ab der ersten Etage gegen ein Herausfallen der Katze gesichert sein. Das gleiche gilt für Balkone. Bei Kippfenstern sind katzensichere Schutzvorrichtungen anzubringen.

(6) Die Katze muß mindestens 6 Stunden am Tag die Möglichkeit haben, mit dem Menschen Kontakt aufzunehmen. Das heißt, der Mensch sollte in dieser Zeit anwesend sein. Ausnahme: in Tierheimen, Tierkliniken, Pensionen u.ä. Einrichtungen vorübergehend mindestens 2 Stunden pro Tag.

(7) Diese Haltungsform ist für verwilderte Hauskatzen, die nicht auf den Menschen geprägt sind, ungeeignet.

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IV Haltung im Zwinger/Gehege
 
 

(1) Unter einem Zwinger oder Gehege im Sinne dieses Paragraphen ist ein eingezäuntes Areal zu verstehen, das die Tiere nicht verlassen können und in dem sich Einzel- oder Sammelunterkünfte (s. unten Absatz (3)) befinden. Die Sammelunterkunft kann auch an das Gehege angebaut sein. Ist die Unterkunft jedoch in Gebäude integriert, die auch von Menschen bewohnt werden, so handelt es sich nicht um Zwingerhaltung im Sinne dieser Empfehlung.

(2) Für jede Katze muß eine vor Witterung schützende, wärmegedämmte, leicht zu reinigende Unterkunft vorhanden sein. Dabei kann es sich um Einzel- oder Sammelunterkünfte handeln.

(3) Unter einer Einzelunterkunft versteht man eine Art "Hundehütte", in der nur eine Katze Platz findet. Die Einzelunterkunft muß bei Temperaturen unter 10°C beheizt werden. Unter einer Sammelunterkunft versteht man ein für den Menschen begehbares Katzenhaus mit einer Einrichtung, Temperatur- und Lichtverhältnissen wie in III (3) und III (4) beschrieben. In einer Sammelunterkunft muß für jede Katze eine Grundfläche von mindestens 1 m² vorhanden sein.

(4) Die Zwingergröße inklusive Unterkunft muß für 1-2 Katzen mindestens 15 m² betragen, in Tierheimen u.ä. Einrichtungen sind vorübergehend 8 m² ausreichend. Die Höhe muß mindestens 2 m betragen. Für jede weitere Katze sind 3 m² zusätzlich erforderlich.

(5) Die Einfriedung des Zwingers/Geheges muß so beschaffen sein, daß gesundheitliche Schäden ausgeschlossen sind. Die Zwinger/Gehege mit Einzelunterkünften sollen mindestens zur Hälfte überdacht und in diesem Bereich an zwei Seiten geschlossen sein. Die Zwinger/Gehege mit Sammelunterkunft sollen für die Hälfte der vorhandenen Tiere regengeschützte Sitzplätze im Freien aufweisen.

(6) Wenn nur Einzelunterkünfte vorhanden sind, gilt für die Einrichtung des Zwingers bzw. Geheges III Abs. (4).

(7) Der Fußboden des Zwingers/Geheges soll mindestens teilweise befestigt, abwaschbar und mit leichtem Gefälle in Richtung Abfluß gestaltet sein. Unbefestigter Boden ist zu bepflanzen (Rasen). Der Boden muß so beschaffen sein, daß Gesundheitsschäden ausgeschlossen sind.

(8) III Absätze (2), (6) und (7) gelten entsprechend.

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V Haltung im Freien
 
 

(1) Unter Haltung im Freien ist zu verstehen, daß die Katze ständig unbegrenzt freien Auslauf hat und keine Wohnräume aufsuchen kann oder will.

(2) Der Katze ist Zugang zu einer Unterkunft zu ermöglichen, die Schutz vor Witterungseinflüssen bietet, insbesondere trocken und zugfrei ist und wärmegedämmte Schlupfwinkel aufweist (z.B. Scheune, Schuppen, Stall).

(3) Katzen beiderlei Geschlechts sind zu kastrieren.

(4) Für verwilderte Hauskatzen geeignet. Siehe dazu auch unsere Resolution über frei lebende (verwilderte) Hauskatzen.

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VI Haltung im Zoofachhandel

Zoogeschäfte sind wie Tierheime, Tierkliniken, Pensionen und ähnliche Einrichtungen zu behandeln. Die Haltung im Schaufenster wird abgelehnt.

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Zu diesem Merkblatt

Dieses Merkblatt wurde erarbeitet vom Arbeitskreis 2 (Kleintiere) der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (Stand: Mai 1995)
 
 

über die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V.

Wir sind ein gemeinnütziger Verein von Tierärzten aus Forschung, Praxis, Industrie und Verwaltung. Wir wollen unseren Anspruch, berufene Anwälte der Tiere zu sein, in die Tat umsetzen und in der öffentlichkeit deutlich machen.

Wir erarbeiten in zur Zeit zehn Arbeitskreisen Merkblätter zu den verschiedensten Themen der Tierhaltung und des Tierschutzes sowie Stellungnahmen zu Gesetzesvorhaben. Wir entsenden Vertreter in Tierschutzbeiräte und Tierschutzkommissionen nach § 15 des Tierschutzgesetzes. Wir informieren und beraten Tierschutzorganisationen, Veterinärbehörden und Tierheime und nehmen Einfluß auf die Gesetz- und Verordnungsgebung im Tierschutz.

Jede Tierärztin und jeder Tierarzt sowie alle immatrikulierten Studenten der Veterinärmedizin können Mitglied werden. Der Mitgliedsbeitrag beträgt zur Zeit 60,00 DM jährlich. Insbesondere für Studenten kann auf Antrag Ermäßigung gewährt werden.

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Fax (0 54 68) 92 51 57
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